Sodbrennen: Säure in der Speiseröhre

Designed by evening_tao / FreepikImage designed by evening_tao / Freepik

Ein Brennen im Brustbereich, möglicherweise in der Herzgegend oder auch im Hals - das ist typisch für Sodbrennen. Das Leiden entsteht, indem saurer Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt. Unangenehm ist das auf jeden Fall, und es kann auch Schäden auslösen.

Reflux und Pyrosis

Nein, auch wenn es so klingt, das sind nicht die Namen von antiken Höllenhunden, die das Tor zur Unterwelt bewachen. "Pyrosis" ist die griechische Bezeichnung für das Sodbrennen (von "pyr" = Feuer). "Reflux" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Rückfluss", in diesem Fall: Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre.

  • Reflux ist also die Ursache, Pyrosis das Symptom.

Der Magensaft besteht zu einem großen Teil aus Salzsäure. Diese spielt eine wichtige Rolle bei der Aufspaltung der Nahrung in ihre Bestandteile, außerdem soll sie Krankheitserreger abtöten, die in den Magen gelangen.

Der Magen selbst ist mit einer schleimigen Schutzschicht gegen den Angriff des Magensaftes ausgekleidet. Im Zwölffingerdarm sorgt dann die Gallenflüssigkeit dafür, dass die Säure neutralisiert wird und der Verdauungsbrei insgesamt einen alkalischen pH-Wert bekommt.

Nach oben hin sorgt ein Schließmuskel ("Ösophagussphinkter" oder auch "Magenpförtner") dafür, dass keine Verdauungssäfte in die Speiseröhre zurückfließen. Denn diese hat keine schützende Schleimschicht.

Wenn der Magenpförtner seine Funktion jedoch nicht erfüllt, gelangt saurer Mageninhalt in die Speiseröhre, manchmal sogar bis in den Kehlkopf oder in den Mund. Die Magensäure greift dann die Speiseröhre an und verursacht die brennenden Beschwerden.

Manchmal gelangt auch alkalischer Nahrungsbrei aus dem Zwölffingerdarm durch den Magen bis in die Speiseröhre. Dieser ist ebenfalls aggressiv und greift das Gewebe an.

Schwachpunkt: Schließmuskel

Gelegentlicher Reflux und damit verbundenes Sodbrennen ist an sich noch kein Grund zur Sorge. Doch wenn dies öfters auftritt, spricht man von der "Refluxkrankheit", engl.: gastroesophageal reflux disease, kurz: GERD.

Ein ständiger Säureangriff auf die Speiseröhre ist nicht nur unangenehm, sondern kann zu Entzündungen und im Extremfall sogar zu Speiseröhrenkrebs führen. Deshalb sollte wiederkehrendes Sodbrennen immer vom Arzt abgeklärt werden.

Es gibt übrigens auch ein "stilles Sodbrennen". Dabei macht sich die Magensäure nicht in der Speiseröhre bemerkbar, sondern führt zu Beschwerden in den Atemwegen, z.B. einem hartnäckigen Husten. Bei unerklärlichen Atemwegsbeschwerden sollte also auch die Möglichkeit einer Refluxkrankheit in Betracht gezogen werden.

Warum der Magenpförtner seinen Dienst nicht ordentlich versieht, ist nicht in allen Fällen abschließend geklärt. Eine nicht unwesentliche Rolle scheint das Zwerchfell zu spielen. Die Speiseröhre führt durch eine kleine Lücke im Zwerchfell vom Brust- in den Bauchraum. Bei vielen Menschen ist diese Lücke größer als notwendig, man spricht dann von einem Zwerchfellbruch.

Das bedeutet jedoch nicht, dass wirklich etwas "gebrochen" oder "gerissen" ist; der Grund ist meist eine simple Schwäche des Bindegewebes. Diese kann angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Dann kann der Mageneingang durch das Zwerchfell in den Brustraum gedrückt werden. Das beeinträchtigt die Funktion des Magenpförtners. Solange die Verschiebung des Magens keine weiteren Probleme als Sodbrennen verursacht, muss man damit leben.

Prinzipiell besteht auch die Möglichkeit, dass eine Verkrampfung des Zwerchfells zu Sodbrennen führt. In diesem Fall können Entspannungs- und Atemübungen hilfreich sein.

Was ist zu tun?

Neben der ärztlichen Abklärung auf Schädigungen der Speiseröhre besteht die Abhilfe darin, Risikofaktoren nach Möglichkeit zu meiden und akutes Sodbrennen zu bekämpfen.

Ein wesentlicher Risikofaktor ist erhöhter Druck im Bauchraum. Dieser kann z.B. durch enge Kleidung oder Übergewicht entstehen. Abnehmen und bequeme Kleidung sind demnach hilfreich.

Große Mahlzeiten machen es dem Magenpförtner schwer, "dicht zu halten", besser sind kleine Portionen. Weiterhin sollten Nahrungs- und Genussmittel gemieden werden, die den Magenpförtner erschlaffen lassen, z.B. Alkohol und Nikotin, aber auch Pfefferminze.

Fettes, Saures, Scharfes und Süßes führt zu einer erhöhten Produktion von Magensäure, ebenso Kaffee und Schwarztee sowie kohlensäurehaltige Getränke. Diese sind also, wenn überhaupt, mit Vorsicht zu genießen.

Langsames Essen und gründliches Kauen erleichtert dem Magen die Arbeit, der Nahrungsbrei wird dann schneller nach unten abtransportiert. Ein kleiner Spaziergang nach dem Essen kurbelt ebenfalls die Verdauungstätigkeit an.

Ein besonderes Problem ist nächtliches Sodbrennen. Dagegen hilft es, mindestens drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu essen (auch keine Süßigkeiten) und mit erhöhtem Oberkörper bzw. auf der linken Seite zu schlafen.

Kurzfristig können rezeptfreie Arzneien gegen Sodbrennen helfen:

  • Antazida neutralisieren überschüssige Säure in der Speiseröhre und im Magen. Solche Präparate enthalten z.B. Magnesiumhydroxid; Natriumhydrogencarbonat oder Calciumcarbonat. Sie wirken schnell gegen akutes Sodbrennen, haben aber keine Langzeitwirkung.
  • Alginate sollen eine zähflüssige Schicht bilden, die auf der Magensäure schwimmt und den Rückfluss in die Speiseröhre verhindert.
  • H2-Blocker (z.B. Ranitidin) sollen die Säureproduktion des Magens reduzieren. Sie bekämpfen dadurch nicht das akute Sodbrennen, sondern verhindern, dass es zukünftig wieder auftritt.
  • Protonenpumpenhemmer (z.B. Omeprazol, Pantoprazol) reduzieren ebenfalls die Säureproduktion des Magens. Sie wirken stärker als H2-Blocker. Allerdings können Sie auf Dauer zu Nebenwirkungen, wie z.B. einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall, führen.
  • Tees oder Fertigarzneimittel mit Heilpflanzen wie Kamille, Angelikawurzel, Fenchel, Anis oder Süßholzwurzel können den Verdauungstrakt beruhigen, entkrampfen und die Säureproduktion regulieren.

Hilfreiche Hausmittel:

  • Stärkehaltige Nahrungsmittel neutralisieren die Säure, z.B. trockenes Brot, Zwieback, Kartoffeln bzw. Kartoffelbrei oder trockene Haferflocken.
  • Bananen und Haselnüsse oder Mandeln (gut kauen) gelten ebenfalls als hilfreich.
  • Von Milch wird dagegen eher abgeraten. Sie kann zwar die Säure kurzfristig neutralisieren, soll aber gleichzeitig die Magensäureproduktion ankurbeln.
  • Senf soll die Säureproduktion drosseln.

Generell gilt, dass man bei ständigem Sodbrennen nicht zu lange mit rezeptfreien Mitteln herumdoktorn, sondern zum Arzt gehen sollte. Er kann neben H2-Blockern und Protonenpumpenhemmern auch andere wirksame Medikamente verordnen.