Störender Reisedurchfall

Quelle: iStock.com/ajr_images.
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Durch den klassischen Reisedurchfall (Reisediarrhoe) werden zeitweise bis zu 50 Prozent aller Fernurlauber niedergestreckt. In der Regel sind es Bakterien oder Viren, die den wässrig-schleimigen Stuhl verursachen.

Warum Montezumas Rache?

Seit Beginn des Tourismus in die Tropen wird der Reisedurchfall auch als "Montezumas Rache" bezeichnet. Montezuma, der Herrscher der Azteken, empfing im 16. Jahrhundert die fremden Eroberer so freundlich wie seine mexikanischen Nachfahren die Urlauber aus Europa. Weil aber seine Liebenswürdigkeit vor etwa 500 Jahren so bitter enttäuscht wurde, rächen sich Mexikos Götter angeblich bis heute an den Reisenden - mit Durchfallbakterien.

Zum Hintergrund: Als der spanische Eroberer Hernán Cortés 1519 das heutige Mexico City erreichte, wurde er von Montezuma II, auch Moctozuma genannt, mit offenen Armen empfangen. Dieser hielt den Spanier offenbar für den Gott Quetzalcóatl, der der aztekischen Legende zufolge eines Tages aus dem Osten zurückkehren sollte.

Dieser folgenschwere Irrtum wurde seinem Volk und ihm zum Verhängnis. Die Spanier, die ganz gewöhnliche Sterbliche waren, nahmen die prächtige Hauptstadt der Azteken ein, Montezuma starb bei der Eroberung - nach anderen Quellen wurde er erwürgt.

Der auch "Aztekengalopp" genannte Reisedurchfall kann allerdings nicht nur Mexikoreisende treffen, an allen exotischen Reisezielen sind es die Düfte von Speisen in den Straßen und Märkten, die die Europäer dazu bringen, unvorsichtig zu sein.

Kochen, schälen oder vergessen

Untersuchungen haben ergeben, dass bei einer Reisedauer von 14 Tagen das Risiko, an einem Reisedurchfall zu erkranken, je nach Reiseland variiert. In Nord- und Zentraleuropa, Nordamerika, Australien und Neuseeland ist das Infektionsrisiko gering.

Im europäischen Mittelmeerraum, in Israel, Japan, Südafrika und auf vielen Inseln im Pazifik besteht ein mittleres Risiko. Das höchste Ansteckungspotenzial findet sich in Mittel- und Südamerika, Afrika und Südostasien.

Zur Infektion kommt es meist durch den Verzehr von Nahrungsmitteln und/oder Trinkwasser, die durch Fäkalien verunreinigt wurden. Vielfach sind die Erreger Echerichia coli oder Camphylobacter verantwortlich.

Die Bakterien können sich bei Wärme gut vermehren und noch bevor sich der Geschmack eines Lebensmittels verändert, können bereits so große Mengen an Erregern vorhanden sein, dass der Darm eines Mitteleuropäers überfordert ist.

Gefährlich sind insbesondere:

  • rohes Obst und Gemüse,
  • rohe Fleischwaren,
  • rohe Fische und Meeresfrüchte,
  • Speisen, die länger herumstehen (Eis, Pudding, Soßen).

Auch in Flüssigkeiten, insbesondere wenn sie zuckerhaltig sind, können sich Krankheitserreger vermehren. Selbst in gekühlten Getränken oder Eiswürfeln halten sich vielfach noch ausreichend Bakterien, um den Darm durcheinander zu bringen.

Die wichtigste Empfehlung lautet daher: "Boil it, cook it, peel it - or forget it!" - zu Deutsch: Koche es, brate es, schäle es - oder vergiss es!

Tipps für unbeschwerten Genuss

In aller Regel ist der Reisedurchfall harmlos - wenn auch sehr unangenehm. Neben Durchfall sind auch Erbrechen, Übelkeit, Fieber sowie blutiger, schleimiger Stuhl möglich.

Bereits nach wenigen Tagen klingen die Beschwerden ab. Bei Kindern kann es allerdings zu schweren und langwierigen Verläufen kommen.

Grundsätzlich sollte man bei unbekannten Speisen und Getränken eine gewisse Vorsicht walten lassen - ohne jedoch vollständig darauf zu verzichten. Denn es geht ja auch darum, neue Erfahrungen zu machen.

Die folgenden Tipps helfen, einem Reisedurchfall vorzubeugen:

  • Obst sollte geschält oder mit abgekochtem Wasser besonders gründlich abgewaschen werden.
  • Auf Salate und rohes Gemüse verzichten.
  • Rohe, kurzgebratene oder unvollständig gekochte Speisen sowie Speisen, die rohe Eier enthalten, sollten gemieden werden.
  • Nie an offenen Verkaufsständen essen, an denen die Speisen oder Zutaten längere Zeit ungekühlt herumstehen.
  • Keine Speisen verzehren, die längere Zeit in der Sonne gestanden haben.
  • Kein Leitungswasser trinken.
  • Kalte Getränke nur aus verschlossenen Flaschen oder Dosen trinken.
  • Keine Eiswürfel nehmen. Wenn die Wasserquelle der Eiswürfel verunreinigt ist, können die Krankheitserreger auch auf diesem Weg übertragen werden.
  • Frisch gekochter Tee und Kaffee sind unbedenklich - genau wie Alkohol.

Wichtigster Bestandteil der Behandlung jeder Durchfallerkrankung ist der Ersatz der verlorenen Flüssigkeit und Mineralsalze, um ernste Komplikationen und Folgeschäden zu vermeiden. Für einen optimal ausgewogenen Flüssigkeits-Mineralersatz sind Zucker-Mineralsalzgemische als Pulver oder Tabletten erhältlich.

Im Notfall kann man auch in einen Liter Wasser (natürlich abgekocht oder Mineralwasser) 10 Teelöffel Zucker sowie 1 Teelöffel Kochsalz geben. Gemischt werden kann dieses Getränk noch mit 2-3 Gläsern Fruchtsaft. Nach jeder dünnflüssigen Stuhlentleerung ein Glas davon trinken.

Bei unkomplizierten Durchfällen bietet sich der Wirkstoff Loperamid an, der die gesteigerte Aktivität des Darmes bremst. Kinder unter 2 Jahren sollten allerdings nicht damit behandelt werden.

Auf feste Nahrung sollte so lange verzichtet werden, bis es einem wieder gut geht. Zumeist ist der Appetit sowieso nur gering.

Zum Kostaufbau können Bananen, Kartoffelbrei, Getreideschleim oder klare Brühe verzehrt werden. Auch wenn der Durchfall überstanden ist, sollte man weiter Vorsicht beim Essen walten lassen, da der Darm noch sehr anfällig ist.

Wenn der Durchfall allerdings mit Fieber verbunden ist oder ein schleimig-blutiger Stuhl ausgeschieden wird, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ebenfalls angesagt ist der Arztbesuch, wenn der Durchfall länger dauert. Dann können auch ein aggressiverer Erreger oder gar Salmonellen die Verursacher sein.